Es scheint, als würden wir in der Finanzwirtschaft noch an den ‚Laplaceschen Dämon’* glauben. Dabei spielt der Zufall eine viel größere Rolle! Für mich ist die Finanzwelt ein ‚Wahrscheinlichkeitsraum’, in dem auch sehr unwahrscheinliche Ergebnisse stattfinden. Allerdings ist es wohl verpönt, dies in Geschäftsmodellen abzubilden und mögliche Investoren auf ein Crashszenario vorzubereiten. In meiner Karriere habe ich noch nie einen Manager gesehen, der zugibt, dass sich gemäß seiner Planung die Gewinne halbieren werden. Der sogenannte ‚Hockeystick’ – das heißt, man sagt „heute ist das Ergebnis zwar schlecht, morgen aber sicher um X-Prozente besser“ – ist ein Phänomen, dass ich in fast allen langfristigen Planungen vorgefunden habe. Man bekommt kein Geld von der Börse für negative Vorschauen, nur für Erfolgsgeschichten.
* Der „Laplacesche Dämon“ geht auf den französischen Mathematiker und Astronom Pierre-Simon Marquis de Laplace (1749-1827) zurück. Dieser hielt eine Weltformel für möglich, die mit Hilfe der Naturgesetze jeden zukünftigen Zustand berechnen kann. Einen Zufall gäbe es danach nicht, alles wäre festgelegt und vorhersehbar.