Frage:
Als Führungskraft und Unternehmer sind Sie naturgemäß Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt. Eine Studie hat ergeben, dass in großen Unternehmen Führungskräfte bis zu 40% der Arbeitszeit mit dem Abwehren von Angriffen auf Ihre Position und eigenen Gegenangriffen verbringen. Dabei können herzhaft vorgetragene und gut gelöste Konflikte eine Erfolgsstrategie erster Güte sein.
Welche immensen Wachstumschancen haben wir durch das Lösen unserer Konflikte! Anstatt sich mit Problemschau zu beschäftigen, könnten Sie klären, welche Bedürfnisse und Interessen hinter diesen Konflikt stecken. Versuchen Sie nicht das vordergründige Problem zu lösen, sondern die Interessen und Bedürfnisse (zum Beispiel Anerkennung und Wertschätzung) dahinter zu erkennen
Wenn wir hinter den Konflikt sehen und unsere Bedürfnisse klären, gibt es Lösungsmöglichkeiten, die uns alle erheblich weiter bringen. Vermeiden Sie es, den Konfliktpartner als das Problem anzusehen.
Stellen Sie sich auch folgende Fragen: Wer ist direkt betroffen von diesem Konflikt? Wer indirekt? Wer hat Nutzen von diesem Konflikt? Für wenn löst dieser Konflikt eine Bedrohung aus?
Stellen Sie die betroffenen Personen als Figuren auf, hier eignen sich auch die Playmobil-Figuren von Kindern bestens. Eine andere Möglichkeit ist es, A4- Blätter mit dem Namen der jeweiligen Person am Boden zu verteilen und sich dann auf das Blatt zu stellen. Nehmen Sie die jeweilige Sichtweise der ausgewählten Person ein. Was fühlt diese? Welche Bedürfnisse hat diese? Wann fühlt sich diese gut und wann schlecht in dieser Situation? Was denkt diese Person von den anderen? Was denkt diese Person, dass der jeweils andere von den anderen denkt? Welche Seilschaften haben sich gebildet? Gibt es von außen auch Einflüsse? Welche Interessen stecken dahinter? Sie können die Figuren auch entsprechend verschieben und dann wieder die jeweilige Position einnehmen. Was hat sich jetzt dadurch verändert? Was fühlen Sie in dieser Position? So erlangen Sie wichtige Erkenntnisse über die Sicht der anderen und über Möglichkeiten diesen Konflikt reibungsarm zu lösen.
Folgende Entscheidungsfragen helfen weiter:
Was sind meine nicht verhandelbaren Bedürfnisse in diesem Konflikt? Wo und wann setze ich klare Grenzen (Stopp!)? Was ist meiner (übergeordneten) Zielerreichung am meisten dienlich? Will ich wirklich Energie für diesen Konflikt einsetzen und wieviel? Mit welchen Reaktionen rechne ich, welche Ent-scheidungskriterien bestimmen dann mein Handeln? Für welche möglichen Alternativen entscheide ich mich? Will ich siegen (Das ist statthaft!), oder will ich die beste Lösung finden? Wie werde ich mich äußern?
Gerade bei Konflikten ist eine klare und aktivierende Sprache von größter Bedeutung. Dazu gehört auch eine eindeutige Körpersprache- die z.B. das Setzen von Grenzen (Abwehrhand), parallele Körperhaltung zum Kontrahenten, Augenkontakt. Sätze im Konjunktiv (sollten, könnten) bringen hier keine Klärung. Die Position muss klar vertreten werden. Das gelingt durch kurze, prägnante Sätze mit eindeutigen Botschaften. Die Meinung des anderen ist zu benennen (Sie sind der Ansicht,...). Dabei bringt oft schon die direkte Spiegelung des Gehörten oder gerade Erlebten eine Klärung der Botschaft und somit erste Fortschritte („Nein, ich meinte…). Sind Sie im Begriff die Situation zu entschärfen, stellen Sie sich nicht mehr konfrontativ gegenüber Ihrem Gesprächspartner, sondern auf seine Seite, so dass Sie gemeinsam auf ein imaginäres Ziel vor sich sehen können. Stimmige Körpersprache unterstützt die Konfliktklärung ungemein, sie gibt Ihnen die Möglichkeit, auf das Unterbewusstsein Ihres Konfliktpartner positiv ein-zuwirken.
Eine weitere gute Möglichkeit, sich Angriffen zu entziehen, ist es Gefühle zu äußern (Falsch: „Ich fühle Ihre Aggression!“ Richtig: „Ich fühle mich enttäuscht, blockiert, … vom Ablauf dieses Gespräches!“) . Diese können von Ihrem Gegenüber nicht wegargumentiert werden- wer soll Ihnen Ihre Gefühle verbieten? Sie haben sie- und es sind Ihre Gefühle.
Angriffe kosten Kraft und regen auf, Konflikte verletzen und bringen Emotionen in Wallung. Klären Sie genau, was Sie fühlen. Geben Sie sich nicht mit „ Angst“ oder „Ärger“ zufrieden, gehen Sie Ihren Gefühlen auf den Grund. Eine kleine Gefühlsauswahl: angegriffen, geplagt, in Frage gestellt, ungehalten, erbost, wütend, siedend, geladen, verletzt, nicht gewürdigt, abgelehnt, gekränkt, in der Falle, ausgenutzt, frustriert, nicht gehört, bedroht, verraten, fallengelassen, entmutigt, unterworfen, starr, destruktiv, ohne Wahl.
Wenn Sie sich eine Scala von eins bis zehn vorstellen, wobei zehn am Intensivsten wäre, wo stehen Sie vor Ihrer Klopfrunde und danach? Sie können mit dieser Scala Ihren Fortschritt messen- Sie sollten die Stärke vor allem aus dem Bauch heraus einwerten.
Mit Klopfen von Punkten (PEP) gelingt Ihnen Stressabbau und der Ausgleich Ihrer negativen Gefühle. Sie schöpften wieder Kraft für weitere Aktionen: Klopfen Sie die abgebildeten Punkte und sprechen Sie etwa folgendes dazu: „ Ich bin ok, auch wenn ich mich (Gefühl) fühle. Es ist in Ordnung mich (Gefühl) zu fühlen. Ich kann mir die Chance geben, diesen Konflikt kraftvoll und mit aller Energie zum Wohle aller aufzulösen- wenn ich will. Zur richtigen Zeit werde ich wissen, wie ich vorgehe. Wenn ich es mir gestatte, werde ich gestärkt aus diesem Konflikt gehen. Ich sehe meinen Weg und bin klar in mir.“
Diese Frage stammt von Claudia Bschor aus Freiburg.






